Nunja, in der z. B. Ostkirche hat die lateinisch-augustinische Erbsündenlehre nie die große Rolle gespielt und wird erst im Zusammenhang mit (nach)reformatorischen Bekenntnischriften, mit denen sich das westliche Christentum auch erst regelrecht in die Erbsündelehre verbiß, in größerem Maße rezipiert.
Dann finden wir allerdings auch die Übernahme des an der Erbsündelehre problematischen Rechtsdenkens, das die Beziehung des Menschen zu Gott als ein Rechtsverhältnis auffaßt. Dieses Rechtsschema Lohn-Strafe ist sicher nicht der Schlüssel einer theologischen Erklärung der menschlichen Tragik sein, die im Kontext des biblischen Menschenbildes und Heilsversprechens gesehen werden muß. Statt dieser statisch-rechtlichen Kategorien arbeitete z. B. die Patristik mit Begriffspaaren wie Leben und Tod, Unvergänglichkeit und Verderbtheit, Glückseligkeit und Elend.
Insofern ist die Aussage der PNCC-Seite, wenn auch verkürzend, sicher nicht falsch. Hochoffizielle aktuelle Stellungnahmen der UU gibt es meines Wissens nicht.
Der Katechismus der AKKD von 1965 formulierte allerdings ganz traditionell:
ak Katechismus von 1965 hat geschrieben:
62. Blieben die Menschen nach der Erschaffung dauernd gut und glücklich?
Nein; die ersten Menschen verloren ihr Glück durch ihren
Ungehorsam gegen Gottes Gebot.
63. Wie nennt man diesen Ungehorsam der ersten Menschen?
Diesen Ungehorsam der ersten Menschen nennt man den
„ersten Sündenfall“.
64. Welche Folgen hatte dieser erste Sündenfall?
Die Menschen verloren das Wohlgefallen Gottes, und es erwachte
in ihnen die böse Begierde, die sie immerfort zur
Sünde reizte und ihren Willen zum Guten schwächte.
65.Welche leiblichen Strafen trafen die Menschen?
Die Menschen wurden einer Menge irdischer Übel und zuletzt
dem Tode unterworfen.
66. Geriet das erste Menschenpaar allein in diesen Zustand?
Nein; dieser Zustand ging auf alle über, welche in natürlicher
Weise von den ersten Menschen abstammen.
Röm. 5, 12: ,,Durch einen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen
und durch die Sünde der Tod, und so ist der Tod auf alle
Menschen übergegangen, weil alle gesündigt haben.“
67. Wie nennt man diesen Zustand, weil er auf alle Nachkommen der
ersten Menschen überging?
Man nennt diesen Zustand die Erbsünde.
68. Was war die Folge davon, daß alle Menschen in diesem Zustand auf
die Welt kamen?
Die Folge davon war, daß die Menschen immer tiefer in
Sünde versanken, Gott immer mehr vergaßen und zuletzt
statt des einen wahren Gottes Götzen anbeteten (Heiden).
69.Sollten die Menschen in diesem Gott mißfälligen Zustande verbleiben?
Nein, Gott verhieß den Menschen gleich nach dem ersten
Sündenfall einen Erlöser.
Die Passage zeigt übrigens recht schön, daß der Versuch katechismusartig im Frage-Antwort-Schema die grundlegenden Glaubensinhalte zu artikulieren, in der heutigen Zeit fehlgehen muß. Er reißt beim Katechumenen mehr Fragen auf, als er beantworten kann.