Mensch und Kirche

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 Betreff des Beitrags: Erbsünde
BeitragVerfasst: 3. Juli 2010 01:10 
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In einem Gespräch mit Adsartha - hier im Forum und privat - wurde die Erbsündenlehre angesprochen. Ich habe geantwortet, dass diese Lehre bei den Altkatholiken seit jeher unbeliebt war und dass die PNCC kurzen Prozess mit ihr gemacht hat:

PNCC hat geschrieben:
Original Sin
The sin of the "first parents" does not pass to succeeding generations.
Quelle: http://www.pncc.org/who_beliefs.htm


Dies war mir bekannt. Ich habe ebenfalls gesagt, dass ich nicht wisse, was die CKK darüber lehre. Denn es war nie ein Thema. (Es wird zwar gesagt, die Taufe reinige von der Sünde und wir seien als Getaufte "tot für die Sünde", aber mir schien sich dies nie auf die Erbsünde zu beziehen.) Mir erschien dies jedoch wichtig. Ich habe daher im Katechismus und anderen ck-Schriften nachgeschaut, aber ebenfalls nichts gefunden.

Ich persönlich glaube nicht an die Erbsündenlehre und dies mag ein Punkt sein, an dem ich von der Lehre abweiche. Mir ist es unverständlich, dass Gott uns für die Sünden der Väter strafen soll. Ich würde eine solche Lehre aber als Lehre der Kirche akzeptieren. Nur sind mir leider keine offiziellen Aussagen ausser jene der PNCC bekannt.

Weiss jemand mehr, was lehren die Kirchen der UU darüber?

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Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. (Joh 1,1/3)


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 Betreff des Beitrags: Re: Erbsünde
BeitragVerfasst: 3. Juli 2010 12:42 
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Nunja, in der z. B. Ostkirche hat die lateinisch-augustinische Erbsündenlehre nie die große Rolle gespielt und wird erst im Zusammenhang mit (nach)reformatorischen Bekenntnischriften, mit denen sich das westliche Christentum auch erst regelrecht in die Erbsündelehre verbiß, in größerem Maße rezipiert.

Dann finden wir allerdings auch die Übernahme des an der Erbsündelehre problematischen Rechtsdenkens, das die Beziehung des Menschen zu Gott als ein Rechtsverhältnis auffaßt. Dieses Rechtsschema Lohn-Strafe ist sicher nicht der Schlüssel einer theologischen Erklärung der menschlichen Tragik sein, die im Kontext des biblischen Menschenbildes und Heilsversprechens gesehen werden muß. Statt dieser statisch-rechtlichen Kategorien arbeitete z. B. die Patristik mit Begriffspaaren wie Leben und Tod, Unvergänglichkeit und Verderbtheit, Glückseligkeit und Elend.


Insofern ist die Aussage der PNCC-Seite, wenn auch verkürzend, sicher nicht falsch. Hochoffizielle aktuelle Stellungnahmen der UU gibt es meines Wissens nicht.

Der Katechismus der AKKD von 1965 formulierte allerdings ganz traditionell:

ak Katechismus von 1965 hat geschrieben:

62. Blieben die Menschen nach der Erschaffung dauernd gut und glücklich?

Nein; die ersten Menschen verloren ihr Glück durch ihren
Ungehorsam gegen Gottes Gebot.


63. Wie nennt man diesen Ungehorsam der ersten Menschen?

Diesen Ungehorsam der ersten Menschen nennt man den
„ersten Sündenfall“.


64. Welche Folgen hatte dieser erste Sündenfall?


Die Menschen verloren das Wohlgefallen Gottes, und es erwachte
in ihnen die böse Begierde, die sie immerfort zur
Sünde reizte und ihren Willen zum Guten schwächte.

65.Welche leiblichen Strafen trafen die Menschen?

Die Menschen wurden einer Menge irdischer Übel und zuletzt
dem Tode unterworfen.

66. Geriet das erste Menschenpaar allein in diesen Zustand?

Nein; dieser Zustand ging auf alle über, welche in natürlicher
Weise von den ersten Menschen abstammen.

Röm. 5, 12: ,,Durch einen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen
und durch die Sünde der Tod, und so ist der Tod auf alle
Menschen übergegangen, weil alle gesündigt haben.“

67. Wie nennt man diesen Zustand, weil er auf alle Nachkommen der
ersten Menschen überging?
Man nennt diesen Zustand die Erbsünde.


68. Was war die Folge davon, daß alle Menschen in diesem Zustand auf
die Welt kamen?

Die Folge davon war, daß die Menschen immer tiefer in
Sünde versanken, Gott immer mehr vergaßen und zuletzt
statt des einen wahren Gottes Götzen anbeteten (Heiden).

69.Sollten die Menschen in diesem Gott mißfälligen Zustande verbleiben?

Nein, Gott verhieß den Menschen gleich nach dem ersten
Sündenfall einen Erlöser.



Die Passage zeigt übrigens recht schön, daß der Versuch katechismusartig im Frage-Antwort-Schema die grundlegenden Glaubensinhalte zu artikulieren, in der heutigen Zeit fehlgehen muß. Er reißt beim Katechumenen mehr Fragen auf, als er beantworten kann.


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 Betreff des Beitrags: Re: Erbsünde
BeitragVerfasst: 3. Juli 2010 14:23 
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Registriert: 14. April 2009 18:38
Beiträge: 1227
Danke für die Antwort.

Was ich an der Erbsündenlehre nicht verstehe ist, dass Christus durch seinen Opfertod am Kreuz und seine Auferstehung uns und die Welt mit Gott versöhnt sowie den Tod vernichtet hat. Wer Christus nachfolgt und an ihn glaubt, der wird nicht sterben und verloren gehen, sondern ewig leben, denn Christus selbst ist das Leben. Wie passt dies dann zur Lehre, dass Gott uns für die Sünde der Ureltern, die von ihm abgefallen waren, straft? Wie ist das vereinbar mit der Versöhnung mit Gott, die wir durch Christus erhalten haben? Das scheint mir nicht logisch...

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 Betreff des Beitrags: Re: Erbsünde
BeitragVerfasst: 5. Juli 2010 08:30 
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Beiträge: 1690
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Gute Frage! Die so genannte Strafe ist eben ein Erbe, dass auf die Nachkommen von Adam und Eva zurückgeht, vererbt wird, nicht selbst verschuldet ist. Die Erlösungsoption kann eben dadurch auf den Weg zur Erlösungsrealität gebracht werden, wenn die einzelnen Evas-Kinder, die wir alle sind, die falsche Entscheidung umkehren und sich persönlich Gott zuwenden und innerlich hingeben!

Ich denke, dass es keine Sühne-Erlösung im Sinnne von Löse- oder Sühnegeldzahlung ist, sondern eine Per-se-Berfreiungsoption, die der Gottes-Sohn durch sich selbst, sein göttliches Sein im Irdischen und in der Hölle, in alle gefallene Welt eingebracht hat.

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Mariae vitam imitantes


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 Betreff des Beitrags: Re: Erbsünde
BeitragVerfasst: 22. Juli 2010 11:31 
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Beiträge: 22
Wohnort: Nähe Passau
Ich lese die ersten Kapitel der Genesis immer wieder rauf und runter, da steht nichts von Sünde und nichts von Ungehorsam. Gott mag zornig sein, aber mir scheint es eher Trauer über den Verlust des Gartens Eden ( von Paradies steht auch nichts da).
Andererseits ohne die Erkenntnis der Eva, wie sollte dann Adam die Eva "erkennen"?


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 Betreff des Beitrags: Re: Erbsünde
BeitragVerfasst: 22. Juli 2010 13:17 
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Beiträge: 1542
Vielleicht war es auch das Streben des Menschen nach der letzten Wahrheit oder nach dem gottgleichen Sein?

Tarec


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 Betreff des Beitrags: Re: Erbsünde
BeitragVerfasst: 8. August 2010 21:44 
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Erbsünde - im dogmatischen, klassischen Sinne wahrhaftig schwer verständlich - der geht davon aus, dass es die Stammeltern und ihren Sündenfall tatsächlich gegeben hat und diese Sünde "vererbt" wird.
Dabei könnte der theologische Fachbegriff "peccatum originale" auf eine Spur führen - es geht um den "Ursprung", um etwas Grundsätzliches; und eigenartiger Weise hat das Wort "peccatum" auch die Bedeutung des "Versehens" - aus dieser Bedeutung wird im Ital. "peccato" = u.a. "schade" (klein geschrieben).
Was also ist "schade", andersherum: Was hätten wir gern, dass es anders wäre, wonach sehnen wir uns?
Als Menschen sind wir begrenzte Wesen: begrenzt in Raum und Zeit, begrenzt im Erkennen, begrenzt in unserer Beziehungsfähigkeit, begrenzt im sittlichen Handeln - und wir sehnen uns nach "Ent-Grenzung" (was sonst verheißt die Heils-Botschaft des Glaubens?)
Die dogmatischen Formulierungen (mit platonischer und/oder aristotelischer Begrifflichkeit) dürften dem, was die mythischen Erzählungen (speziell Jahwist ab Gen 2) angeht, kaum gerecht werden.
Mythen sind erzählte Philosophie und Theologie, ihre Zeit ist das Jetzt - sie spielen im "Anfang": bereschit, en archè, in principio - aber dieser Anfang / Ursprung ist etwas, was prinzipiell, grundsätzlich, also "jetzt" gilt.
Nehmen wir also die Zwei: Adam und Eva (was mich übrigens immer schon amüsiert hat: Eva diskutiert wenigstens noch, Adam futtert - was die Frau sagt, wird halt gemacht...!) Adam und Eva also entdecken, dass sie "nackt" sind, verstecken sich vor Gott, kriegen ihren Garten Eden gekündigt und den Cherub als Grenz-Wächter gesetzt...
So sind wir: begrenzt, heil-los in Bezug auf uns selbst, auf den/die Mitmenschen, gestört in unserer Beziehung zu Gott.
Und dem setzt Gott die Heilszusage entgegen (sofort," jetzt"): von der Schlange, deren Kopf zerteten wird, vom Bund (bei Noah) ...
Die berühmte Sache vom Reich Gottes, das kommt - und dennoch schon mitten unter uns ist; von gewirkter Erlösung, die gleichzeitig noch aussteht; "simul iustus et peccator", wie Luther formulierte.
So sind wir also: begrenzt - "schade!" -, aber mit einer "einem unendlichen Durst", einer "Leidenschaft, deren Sinn Gott ist" (E.Cardenal).
Erbsünde? "Conditio humana" - Grund-Gegebenheit unseres Menschseins ...


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 Betreff des Beitrags: Re: Erbsünde
BeitragVerfasst: 9. August 2010 04:38 
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Beiträge: 1042
Ja, so lässt sich das auch heute gut nachvollziehen.

Herzlich willkommen im Forum!

Eilike

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Wir sind eine Kirche mit katholischer Bindung und evangelischer Freiheit.


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 Betreff des Beitrags: Re: Erbsünde
BeitragVerfasst: 9. August 2010 09:35 
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Ein interessanter Ansatz. Damit können auch moderne Menschen den sonderbaren Begriff "Erbsünde" zumindest versuchen zu verstehen.

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Hic fuit


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 Betreff des Beitrags: Re: Erbsünde
BeitragVerfasst: 9. August 2010 13:27 
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Blumengießdienst
Blumengießdienst
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Registriert: 28. April 2009 20:10
Beiträge: 791
Wohnort: Baden-Württemberg
@adulescens: das klingt viel logischer und nachvollziehbarer, danke! und es verzichtet auf das "Pfui" beim Sex, nur weil wir alle durch Sex gezeugt wurden sind wir schlecht... Diesen Aspekt der Erbsündenlehre finde ich nur gruselig!

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Wo kämen wir hin, wenn keiner ginge um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen?


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