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Die Diskussion ufert etwas aus, wobei man bei dem einen oder anderen Argument tatsächlich eine neue Diskussion eröffnen sollte: so z. B. beim Begriff "katholisch", der hier ja abgrenzend verwendet wurde bzw. abqualifizierend "nicht katholisch".
Ich bitte ferner darum, dass wenn man mich zitiert, den Gesamtzusammenhang zu wahren.
Erstes Argument: Aus einem Seminar über "affirming catholicism" war mir noch eine Definition von "katholisch", die Jeffrey John formuliert hat: "Katholisch sein bedeutet, andere einzuschließen und nicht auszuschließen." Ich finde diese Definition doch sehr bemerkenswert, da sie auch mit Ignatius korrespondiert, der sagte "Da wo Jesus Christus ist, da ist die katholische Kirche". Entscheidend ist nicht, was auch immer irgendwie Menschen theologischer Ausbildung inhaltlich definieren, sondern der Heilswille Gottes, wie er sich in Leben und Handeln von Jesus Christus geoffenbart hat. Und ich persönlich tue mich sehr schwer damit, irgendeinen Menschen oder eine menschliche Gemeinschaft, die sich auf Jesus Christus - seine Inkarnation, sein Leben und Sterben, seine Auferstehung, sein Vermächtnis an die Kirche, die Verheißung des hl. Geistes und die Erwartung seiner Wiederkehr - beruft, aus der katholischen Kirche hinauszudefinieren.
Der Heilswille Gottes kann immer nur ein Aufruf zur Gemeinschaft und zum Dialog sein, auch wenn es noch so schwer fällt.
Zweites Argument: Ich halte die Authentizität eines Seelsorgers und einer Gemeinschaft als ausschlaggebend für deren Glaubwürdigkeit. Das betrifft auch deren Verhalten. Man kann nicht Gottes Liebe und Treue predigen und selbst nicht untreu sein. So ist es z. B. verständlich, dass ein Pfarrer in Deutschland entlassen wurde, der geheiratet hatte. Er hatte nämlich seiner Haushälterin die Ehe versprochen und dann eine bessere Partie geheiratet.
Oder ein Pfarrer wurde gemaßregelt, weil er eine Opernsängerin geheiratet hatte. Die standen damals in einem sehr schlechten Ruf. Das war damals so eine Art Prostituierte.
Würde heute ein altkatholischer Hahn danach krähen? Man sieht also, wie sich die Anforderungen an das Privatleben kirchlicher Mitarbeiter bis heute geändert haben. In einem Bistum tat man sich schwer, Homosexuelle als Priesteramtskandidaten zu akzeptieren, weil man davon ausging, dass die Gemeinden nur Familienväter akzeptieren würden und man eine "Familienkirche" sei. Letztendlich gefragt wurde keine Gemeinde, was man ja könnte, denn schließlich sind sie es ja, die den Pfarrer wählen. Ob ein Pfarrer mit seiner familiären Konstellation zu einer Gemeinde passt, sollte diese doch jeweils selbst entscheiden dürfen.
Selbst der Katechismus der römisch-katholischen Kirche sieht Homosexualität nicht als „schuldhaft“ an. Homosexuellen ist „mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen.“ Er sagt sogar: „Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen.“ (röm. Katechismus 2358) Warum homosexuelles Handeln, dann aber objektiv ungeordnet und daher nicht erlaubt sein soll, ist eine interessante Frage:
Was ist das für ein Gott, der Menschen schafft und begabt, in einer bestimmten Art zu lieben, aber sie dann in eine Ordnung hineinstellt, die ihnen ihre Art, zu lieben, verbietet?
Das wäre doch ein Gottesbild, das ich persönlich als gotteslästerlich empfinde. Das wäre doch ein Gott, der die Menschen an der Nase herumführt. Ein Gott, der diese Menschen (pardon) verarscht. Da hilft auch dann keine Vereinigung mit dem Kreuzesopfer (Katechismus 2358) und keine Sakramentale Gnade (ebda. 2359) mehr. Bei so einem Gottesbild könnte man doch nur noch weglaufen.
Wir müssen uns daher fragen, was für ein Gottesbild wir in unserer Kirche vertreten. Die Frage nach der Akzeptanz von Personen bestimmter sexueller Orientierung im kirchlichen Amt (oder die Möglichkeit einer Segnung von Lebenspartnerschaften) ist somit auch eine theo-logische.
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