Silesia hat geschrieben:
Es ist Gemeinschaft, aber sie entsteht durch den individuellen Weg - wie auch sonst? Oder trinkt der andere den Wein mit deinem Munde? Glaubt der andere in deinem Glauben? Nein das tut schon jeder allein für sich und vor Gott. Und weil (oder besser wenn!) der andere das mit dem sinnentsprechendem Bezug auch tut, dann ensteht DIESE Gemeinschaft, zentral in DIESEM Sinn ensteht DIESE Gemeinschaft! Und deshalb geht es auch gerade nicht um den gleichen Stallgeruch (möglichst als enttäuschter Römer mit Restglauben, wie bei der AKK). Es ist aber nicht nur so ein Party- und Gemeinschaftsgefühl oder so etwas - auch wenn einige es noch so gerne haben. Das bekommen sie allerdings auf dem evangelischen (Holz)Weg eher! Insofern ist der Weg, der eingeschlgen wird, schon "effizient". Ich bin da auch ganz ohne Groll. Aber ich bin dann eben auch konsequent.
Nein, lieber Silesia, so kann ich Dir nicht zustimmen.
Du versteht Gemeinschaft - wenn ich das richtig lese - so, als würde diese entstehen, wenn mehrere Menschen mit einer individuellen und validen Gottesbeziehung zusammenkommen. Erst die Summe vieler individueller Gottesgemeinschaften macht dann also eine echte Gemeinschaft am Altar des Herrn möglich. Im Umkehrschluß heißt das aber: Die Gemeinschaft des Einzelnen am Altar ist unabhängig von der Gemeinschaft mit dem anderen. Ich kann mit meinem Gott Gemeinschaft haben ohne den anderen.
Und diese Haltung - so denke ich - ist falsch und dem Christentum wesensfremd. Sie ist im Kern individualistisch und wohl auch neuzeitlich. In keinem Falle aber biblisch.
Bischöfin Jefferts Schori hat dies einmal in einer vielbeachteten (leider häufig mißverstandenen) Predigt über "Ubuntu" als eine "Häresie des Westens" bezeichnet: Die Haltung, ich könne mit meinem Gott ins reine kommen, auch ohne und mitunter sogar gegen die anderen. Hauptsache meine Gottesbeziehung stimmt, dann suche ich mir die Gemeinschaft mit Menschen, die gleich oder ähnlich denken/lehren/empfinden. Bischöfin Jefferts Schori hatte mit dieser Kritik recht (auch wenn ich sonst nicht immer mit ihr einer Meinung bin).
Ich hingegen bin der Meinung: Gemeinschaft am Altar ist notwendig, um überhaupt Eucharistie feiern zu können. Auch aus diesem Grunde ist die Privatmesse des Priesters, wie sie lange Zeit gefeiert wurde, eine Aberration. Ohne Gemeinschaft kann es kein Sakrament geben, weil Gott selbst Gemeinschaft ist (eine Gemeinschaft dreier göttlicher Personen). Die Erfahrung Gottes im Sakrament ist also notwendigerweise an die Erfahrung der Gemeinschaft mit den Mitchristen geknüpft, denn die Kirche ist Abbild des dreieinigen Gottes. Gotteserfahrung kann sich also niemals nur auf einem individuellen Weg ereignen, sondern immer nur als Weg des Einzelnen mit den anderen und durch die anderen.
Diese Balance gilt es zu beachten.