Bibelkundiger hat geschrieben:
Wenn man erst auf uralte und blutrünstige Konzilsbeschlüsse zurück greifen muss um diese Lehre zu verdammen, dann scheint ja wirklich Diskussionsbedarf zu bestehen.
Als Student der katholischen Theologie habe ich mich natürlich umfassend mit diesem ominösen Konzil beschäftigt.
Auf dem II. Konzil in Konstantinopel (553 n. Chr.) wurde überhaupt nicht Origenes verdammt – ja es wurde überhaupt nicht Origenes verhandelt – sämtliche Akten sind nämlich nicht mehr auffindbar schon damals gewesen bzw. in allen Geschichtsquellen ist NICHTS davon geschrieben– nachgewiesen ist, daß es nur eine Geschichtsquelle gegen Ende des 18. Jahrhunderts gibt, der diesen Bannfluch so zitiert…und zwar auf ein separates Blatt hat man Bannflüche in Wien gefunden und jetzt meinte man damals in der Kirche, man hätte sie wohl auf irgendeinen Konzil abgefasst – genauso gut könnte jeder Bischof eigenmächtig sowas gefälscht haben um die Lehre der Apokatasis in der Neuzeit zu verdammen.
Tatache ist, daß Justinian in seiner eigenen Ostkirchensynode Origines durch Bannflüche verflucht hat, 543 n. Chr – genau diese Bannflüche treten in diesem ominösem lose Blatt wortgetreu auf – DESWEGEN hat man dieses Blatt dem II. Konzil zugeordnet, was aber falsch ist und nachweislich eben nicht verhandelt wurde weil die nachfolgenden Päpste davon nichts wissen.
Mit Kirchenfälschungen sollte man ja als kritischer Theologe vertraut sein - also existiert lediglich ein loses Blatt gegen Ende des 18. Jahrhundert entgegen den anderen Geschichtsquellen und Berichten von diesem Konzil! Es wurde nur über sog. Drei Kapitel – verstorbene Ketzerbischöfe gegen Justinian verhandelt und das der Nachwelt berichtet – selbst die nachfolgenden Päpste Pelagius I. (556–561), Pelagius II. (579–590) und Gregorius (590–604) wussten rein gar nichts von einem Bannfluch gegen Origines und seiner Lehre – sie haben es nie erwähnt! Papst Vigilius hat sich geweigert das Konzil aufzusuchen (obwohl er in Konstantinopel anwesend war zu der Zeit), das Konzil war lediglich von Vertretern der Ostkirche besucht – es war faktisch und rechtlich eine Ostkirchensynode - der Papst hat noch nicht einmal, obwohl Papst, den Vorsitz geführt, und damit ist jedes Konzil hinfällig auch nach damaligen Recht.
Man hat DEN PAPST aus dem Konzilsakten gestrichen was bedeutete, daß Justinian ihn willkürlich abgesetzt hatte, was er nicht durfte. Ihm wurde auch von Justinian Gewalt angetan und er musste Fronarbeit, also in den Bergwerken, arbeiten, um ihn weich zu klopfen.
Kirchenrechtlich ist damit dieses Konzil nicht bindend da es gewaltsam zustande kam – natürlich ist es egal was die Amtskirche in Rom JETZT dazu sagt da hier eindeutig gegen geltendes Konzilsrecht verstoßen wurde und solange es keinen Kirchenbeschluß der Alt-Katholiken 8wie verbindlich wäre denn der?) gibt dieses sieben für absolut verbindlich zu erklären (welche Bannflüche eigentlich genau?), existiert auch keine Pflicht dieses schäbige Konzil anzuerkennen.
Zwar hat Papst Vigilius 6 Monate später unter Androhung eines Schismas zum Wohle der Einheit der Kirche und seiner eigenen Sicherheit (Gegenpapst, Exkommunikation) Konzilsbeschlüsse unterschrieben – aber es ist bis heute nicht bekannt, ja sogar wegen der nachweislich gefälschten Akten ZIEMLICH sicher bekannt, daß der Bannfluch gegen Origenes eben nicht die Unterschrift Vigilius trägt, sondern die Beschlüsse andere Themen hatte und dieser Bannfluch eine Fälschung aus der Neuzeit ist.
Nö, ein solches Konzil bezüglich Origenes braucht kein Katholik anzuerkennen – der Stand der Geschichtsforschung ist viel weiter.
Im Übrigen wenn euch euren Katechismus lese:
179. .Wann galten-die_Entscheidungen der Kirchenversammlungen in Glau-
bensfragen als verbindlich für die ganze Kirche?
Sie galten als verbindlich, wenn die Kirchenversammlung
eine allgemeine (ökumenische) war, das heißt, wenn wirklich
die ganze Kirche auf ihr vertreten war und wenn die Ver-
handlungen in voller Freiheit der Teilnehmer stattfanden.
ALSO : Laut eigenem Katechismus der Alt-Katholischen Kirche darf dieses Konzil nicht anerkannt werden aufgrund der eindeutigen geschichtlichen Überlieferung und Quellenlage. Gibt es noch eine andere Quelle in der Alt-Katholischen Kirche, daß die Verfluchung von Origenes bestätigt?
Übrigens: Ihr Alt-Katholiken erkennt ja nicht das 1. Vatikanische Konzil an EBEN WEIL nicht die gesamte römisch-katholische Kirche anwesend war – eine Meinung, die so ziemlich an den Haaren herbeigezogen ist weil ihr als Alt-Katholische Kirche natürlich ein Problem mit DEREN KONZILSBESCHLÜSSEN habt! Wäre es nicht vielleicht ehrlich den Inhalt abzulehnen anstatt sich auf Formalien zurück zu ziehen….
Wo steht bei den Alt-Katholiken, daß sie sämtliche sieben Konzilsbeschlüsse voll und uneingeschränkt anerkennt?
Wenn Ihr allenfalls die ersten sieben anerkennt, daß erkennt ihr ja tatsächlich auch an, daß ungetaufte Kinder nicht ins Himmelreich kommen (Lehre Augustinus – zuerst auf dem Konzil von Karthago) –
nee, im Ernst ?! Wirklich ? Ach ja, und wie schon damals die Konzilsbeschlüsse über den Umgang mit Häretikern denkt, macht ihr euch auch zu eigen ?
Denkt mal über die Folgen dieser Äußerung nach oder aber man kommt dazu sich als Alt-Katholik nur die Rosinen von den Konzilsbeschlüssen heraus zu picken…
Persönlich möchte ich noch anmerken, daß es ja wohl nicht sein kann ein Konzil anzuerkennen der ersichtlich nur die Interessen von Kaiser Justinian und seiner Kaiserin, welche sich als Massenmörderin von ca. 500 Prostituierten hervorgetan hat (sie war selbst eine Kurtisane von Justinian) verfolgte als Argument, daß die Allversöhnungslehre falsch sei.
Liebe Grüße
Bibelkundiger
Ich danke Dir für die Argumentation!
Kann man das anderswo zitieren?